Bergfeuer in Ehrwald

Wie jedes Jahr ist das Bergfeuer ein Highlight im Ehrwalder Becken. Jedes Jahr steigen dutzende Bergsteiger in die Höhe, um gegen 22 Uhr die umliegenden Berghänge und -grate zum Leuchten zu bringen. Das Ereignis ist seit 2010 UNESCO-Kulturerbe.

Wie fast jedes Jahr zitterten wir auch heuer, ob sich die Wolken und das schlechte Wetter bis abends verziehen würden. Schon im Tal fiel der Entschluss, dass wir heuer nicht das Sonnenspitzl oberhalb der Wiener Neustädter Hütte sondern den Wintersteig am Ehrwalder Kopf befeuern würden. Die Chancen, diese Feuerkette vom Tal aus zu sehen, sind deutlich höher. Abgesehen davon waren wir nur zu Viert, für das Sonnenspitzl werden zumindest fünf bis sechs Personen benötigt.

Kurz nach 16.30 Uhr brachte uns die Zugspitzbahn bergwärts. An der Stütze 2 verließen wir die Gondel und kletterten die Stütze hinab – immerhin ungefähr 50m. Tipp: Es ist auf keinen Fall erlaubt, die Stütze zu besteigen. Es besteht absolute Absturzgefahr!

In tief liegenden Wolken ging es dann über drei nicht ungefährliche Schneefelder zur Wiener Neustädter Hütte, wo wir mit den Feurern der Feuerwehr zusammentrafen. Nach einer ersten Lagebesprechung und Materialsichtung stärkten wir uns mit Wurst und Radler.

Die Ehrwalder Bergfeurer benutzen mit Rapsöl getränktes Sägemehl, das in dünne Plastiksäcke gefüllt wird. In Ehrwald werden etwa 6000 Säckl in den Tagen vor dem Bergfeuer gefüllt und auf die Gruppen verteilt. Nachdem unsere Gruppe ihre Feuerplätze nur kletternd erreichen kann, verwenden wir reines Rapsöl, das wir in Kartonbecher füllen. Das hat den Vorteil, dass das Feuermaterial deutlich leichter ist und weniger Platz einnimmt, bedeutet aber, dass wir die Becher erst vor Ort befüllen können. Im absturzgefährdeten Gelände ist das, auch wenn wir immer am Seil arbeiten, nicht immer einfach.

Um 20 Uhr verließen wir die Hütte und begannen unseren Aufstieg zum Ehrwalder Kopf. Nach dem Anlegen der Kletterausrüstung und der Materialverteilung (es wird immer in Zweierteams gearbeitet) begannen wir mit dem Abseilmanöver über den Wintersteig. Schon während des Abseilens legten wir die befüllten Becher aus. Natürlich muss hier immer darauf geachtet werden, dass die Becher abseits des Sicherungsseils ausgelegt wird und auch eventuell aufkommender Wind das Feuer nicht auf das Seil blasen kann.

Kurz vor 22 Uhr begannen dann alle Gruppen im Talkessel, ihre Feuerstellen zu entzünden. Unsere Gruppen arbeiteten sich von unten nach oben vor, wobei der Vorauskletternde etwas Benzin auf die Becher spritzte, während der Folgende die Feuerstelle mit einer Fackel entzündete.

Ohne Zwischenfälle erreichten wir den Ehrwalder Kopf und konnten die Aussicht auf den Talkessel genießen. Es ist immer wieder ein schönes Erlebnis, die verschiedenen Feuerstellen zu sehen. Die volle Pracht können wir allerdings erst auf den Fotos aus dem Talkessel bewundern, da die Bilder so ausgerichtet sind, dass sie vom Ortszentrum unverzerrt gesehen werden können.

Nach der Rückkehr zur Hütte wurden wir vom Hüttenteam mit einem sehr guten Abendessen und ein, zwei Bieren erwartet. Für manche dauerte der Abend auch etwas länger. Kurz nach 5 Uhr in der Früh, nach einigen Häppchen Schlaf, machte ich mich dann auf den Heimweg nach Ehrwald und konnte den wunderbaren Sonnenaufgang genießen.

Ich freue mich schon auf das Feuern im nächsten Jahr, hoffentlich wieder auf dem Sonnenspitzl!

Infos zum Bergfeuer, auch mit Bildern von 2013: bergfeuer.at

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s