Klettersteig einmal anders

Manchmal kann ich nur staunen, was mir am Berg oft unter die Augen kommt. Wenn ich dann daran denke, wundere ich mich, dass in den Bergen nicht mehr Unfälle passieren.

Im Raum Ehrwald liegen vier Klettersteige: neben dem talnahen Seebenklettersteig auch der weiterführende Tajaklettersteig, der daneben liegende Coburger Klettersteig und der Anstieg auf die Zugspitze, der Stopselzieher. Aus weiser Voraussicht hat der Alpenverein als Wegeerhalter die ersten beiden der genannten Klettersteige schon vor einigen Wochen gesperrt. Die dafür vorgesehenen Tafeln sind an prominenter Stelle platziert, sodass jeder Spaziergänger daran vorbei gehen muss.

Scheinbar ist das aber für einige Klettersteigaspiranten noch immer zu wenig Warnung. Und so mussten wir (Bergrettung Ehrwald) am Samstag, 16. November, mittags ausrücken, um zwei Kletterer aus dem Seebenklettersteig zu bergen.

Dabei war es schon schwierig genug, mit dem Bergrettungsauto bis zur Seebenalm zu fahren. Mehr als einmal fürchteten wir, stecken zu bleiben. Dennoch kamen wir sicher auf der Alm an. Schnell die Ausrüstung geschultert und ab gings zum Ausstieg des Klettersteigs. Durch 30 cm tiefen Schnee führte uns der Weg bis zum Ausstiegsgelände, wo uns ein Begleiter der beiden Kletterer erwarten sollte. Sollte, denn vorerst waren nur die beiden Hängengebliebenen in Sicht. Rasch bargen wir die Beiden, die vor Kälte schlotterten, und brachten sie mit dem Kfz ins Tal. Ihr Begleiter wartete inzwischen am Parkplatz der Ehrwalder Almbahn im Auto.

Für uns war es insgesamt ein erfolgreicher Einsatz, wenngleich mir einiges zu denken gibt:

  1. Für einen der beiden Kletterer war es der erste Klettersteig, den er begangen hat. Ist der Seebenklettersteig schon im Sommer schwer, so ist es im Winter mit Schneeauflage sicherlich nicht leichter.
  2. Der zweite Kletterer hatte immerhin schon einmal im Sommer einen Klettersteig begangen. Ein Kommentar erübrigt sich.
  3. Kameradschaft zählt überhaupt nicht mehr. Anders lässt es sich nicht erklären, dass der Gruppenälteste und Erfahrenste, der es bis zum Ausstieg geschafft hatte, seelenruhig zum Auto wanderte und es sich dort gemütlich machte. Als wir mit dem Kfz zur Seebenalm fuhren, musste er uns begegnet sein, hatte sich aber in keiner Weise zu erkennen gegeben.
  4. Auch im Winter ist das Mitführen von Handschuhen, Hauben, Ersatzwäsche und zusätzlicher Jacke noch immer nicht bei Jedem üblich. Die beiden hatten Glück, dass es Mittagszeit und nicht übermäßig kalt war.
  5. Trotz der Kälte und der winterlichen Zustände haben die Kletterer einen nordseitig gelegenen Klettersteig begangen. Ein südseitiger wäre vielleicht angenehmer gewesen.

Deshalb nochmals zur Erinnerung: der Seeben- und der Tajaklettersteig sind bis zum Frühjahr gesperrt.

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4 Gedanken zu „Klettersteig einmal anders

  1. Bernd | KritzelKraxel.net

    Klettersteige, immer wieder Klettersteige. Ja, ich weiß auch nicht. Das war ja schon leichtsinnig bis blöde. Aber heute muß ja alles schnell gehen, ein Klettersteig reicht ja, um da groß hinaus zu wollen. Da Ostbahnhof gar keine Zeit mehr das ordentlich zu lernen. Naja, vielleicht übertreibe ich es nun auch ein bißchen…
    Auf alle Fälle prima, daß Ihr die rausgeholt habt und Euch nix passiert ist. Letzteres finde ich in dem Zusammenhang ja fast schon wichtiger…

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  2. patruckel

    Ja, da fällt mir auch nichts mehr ein. Zu gerne würde man da erfahren, was sie die Beteiligten eigentlich dabei gedacht haben…
    Wenn ein Steig gesperrt ist, dann ist er gesperrt. Gerade wenn man keine Erfahrung hat, ist es doch vermessen, die begründete Sperrung (die von Fachleuten, in dem Fall Euch) ausgesprochen wurde, zu ignorieren. Ich frage mich auch, ob die Leute daraus eigentlich lernen oder ob es Wiederholungstäter gibt. Führt jemand solche Statistiken?

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