Nachtbergeübung am Sonnenhang

Die Saison für Liftbergeübungen ist normalerweise dann, wenn keine Saison ist. Keine Skisaison. Also Ende November bis Anfang Dezember, wenn die Bahnen noch in Revision sind und nur mehr die Bergeübungen für die Betriebsgenehmigung nötig sind.

Umso überraschender war es für mich, dass wir am Freitag, 27. Dezember, mitten in der Hochsaison, eine Liftbergeübung am Sonnenhang in Ehrwald hatten. Mitten in der Saison? Wie soll das gehen? Ein Blick auf die Veranstaltungszeit schuf Klarheit: Treffpunkt war 16.30 Uhr, also nach Liftschluss. Die Übung war fand dabei nach der Preisverteilung der Skischule statt und war somit Teil des Rahmenprogramms.

Das Spannende an der Übung? Es war meine erste Liftbergeübung in der Nacht! Und vor Publikum! Das machte die Sache in doppeltem Sinn interessant.

Also traf sich eine kleine Gruppe im Bergrettungsraum, Ausrüstung wurde verteilt, Stirnlampen eingepackt, Funk mitgenommen, Gruppen eingeteilt und los ging’s.

Zwei Sesseln der 6er-Sesselbahn Sunracer mussten evakuiert werden. Diese hingen zwischen zwei verschiedenen Stützen, also mussten zwei Rettungsteams her. Ganz schnell wurde ich zu einem der Retter, der die Bergung vornehmen sollte, ernannt. Eine tolle Gelegenheit, neue oder im Einsatz unbekannte Ausrüstung wie die neue Stirnlampe Lupine zu testen. Ein paar freiwillige Opfer wurden auch gefunden, die Skilehrer sind dafür immer dankbare Opfer. Böse gesagt: die müssen natürlich einen Ruf verteidigen, weil Skilehrer-sein ist cool. Also macht es ihnen auch nichts aus, in der Kälte in einem Sessel in luftiger Höhe auszuharren und eine Bergung zum ersten Mal, noch dazu in Dunkelheit, mitzuerleben.

Talstation Sunracer
Talstation Sunracer
Das Laufwerk der Stütze 2 bei Nacht
Das Laufwerk der Stütze 2 bei Nacht

Vor lauter Eifer bin ich schon viel zu früh auf die Stütze rauf, ich war schon ganz fiebrig. Der Vorteil dort oben: Ich konnte die Aussicht auf die Lasershow genießen und mir mit fotografieren die Zeit vertreiben.

Die Bergung an sich ging dann rasch über die Bühne. Selbst im Halbdunkel – auf den Liftstützen sind Scheinwerfer montiert, die Feuerwehr leuchtete zusätzlich aus und meine Stirnlampe hatte ich auch mit – war die korrekte Bergung kein Problem. Es lief wie am Schnürchen! Die ganze Aktion dauerte nur gefühlte wenige Minuten und machte irren Spaß. Wobei der Stresspegel schon etwas höher war als bei privaten Übungen, aber sicherlich noch deutlich geringer ist als bei Realeinsätzen. Immerhin kann dort nichts vorbereitet werden, die Leute sind vermutlich unruhiger, nervöser und ängstlicher und die äußeren Bedingungen schlechter.

Fazit: Ein irrer Spaß, der mit Applaus bedankt wurde. Ein Dank auch von uns, der Bergrettung Ehrwald, dass wir unser Können zeigen durften.

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