150m in die Tiefe – Bergeübung am Tajaklettersteig

Im Frühjahr und Frühsommer führen wir immer eine Reihe von Übungen durch. Angefangen von Erste Hilfe-Schulungen in Theorie und Praxis, Schulungen und Übungen in behelfsmäßigen und planmäßigen Bergetechniken bis hin zu Schulungen über Einsatztaktiken, Funk und Zentrale bildet die Großübung im Juli den Höhepunkt der Saison. Heuer führte uns die Übung in den Raum Seebensee. Die anschließende Nachbesprechung wollten wir in der Coburgerhütte ausklingen lassen.

GPS-Suche vor dem Bergrettungsraum

GPS-Suche vor dem Bergrettungsraum

Samstag vormittags trafen wir uns schon im Bergrettungsraum, um die Übung zu planen und vorzubereiten. Es wurde angenommen, dass ein Kletterer am Tajaklettersteig (eine schöne Beschreibung findet sich auch auf bergzeit.de) in wegloses Gelände abgestürzt und schwer verletzt sei. Der Einsatzleiter war schon festgelegt, diese Rolle übernahm Manfred (Mani). Der gesamte Einsatz wurde vorbesprochen und in der elektronischen Karte erfasst, das Suchfeld definiert, Sammelpunkte und Anfahrtswege eingezeichnet.

Tajaklettersteig

Tajaklettersteig

Kurz vor 13 Uhr wurden wir per SMS von der Leitstelle Tirol alarmiert und Mani meldete sich zum Einsatz an. In den folgenden Minuten trudelten die Übungsteilnehmer ein. Schlussendlich waren wir 15 Mann inkl. Opfer und Übungsleiter. Mani übernahm die Gruppeneinteilung und informierte uns über den groben Einsatzablauf. Ich durfte die Bergungsgruppe mit 7 Rettern übernehmen. Uns fiel es auch zu, den Großteil des Materials zu tragen. Das Wetter zeigte sich, wie in den vergangenen Tagen, von seiner wolkigen Seite. Ein Hubschraubereinsatz wäre vermutlich nicht möglich gewesen. Das waren Bedingungen wie im Ernstfall.

Am Einstieg zum Tajaklettersteig

Am Einstieg zum Tajaklettersteig

Mit Unterstützung durch die Feuerwehr Ehrwald fuhren wir im Konvoi bis zum Seebensee. Dort angekommen, teilten wir das Material auf und begannen mit dem Zustieg zum Klettersteig. Nach rund 100 Metern Aufstieg am Tajaklettersteig sahen wir schon das Opfer.
Rund 10m links des Steigs lag der Kletterer mit schwersten Verletzungen im felsigen Gelände. Für eine erfolgreiche Bergung mussten wir noch ca. 20m aufsteigen und uns in leichtem Gelände einen Stand aufbauen.

Abseilen der Retter

Abseilen der Retter

Die restliche Bergung verlief wie geplant. Während der Verletzte aufgenommen und mit den Dyneemaseilen ca. 150m bis zum Wandfuß abgeseilt wurde, seilten sich weitere Retter an Bergseilen ab (dabei mussten sie einen Zwischenstand verwenden). Am Wandfuß wurde der Verletzte in die Gebirgstrage umgelagert und anschließend bis zum Zustiegsweg transportiert.

Nach dem Versorgen der Ausrüstung im Bergrettungsauto wanderten wir zur Coburger Hütte. Die geplante Nachbesprechung wurde im inoffiziellen Rahmen durchgeführt, unterstützt durch viel Flüssigkeit (zu wenig zu trinken belastet den Kreislauf) und sehr gutes Essen. Zwischen 3 und 4 Uhr in der Früh hatten wir dann endlich alle Details der Übung ausdiskutiert.

Fazit: es war eine erfolgreiche Übung, kein Mensch war zu wenig. Die Menge an zu transportierendem Material ist enorm und verlangt einige Lastesel. Das Wetter hat bei dieser Übung voll mitgespielt. Ein Hubschraubereinsatz wäre zwar bei dem angenommenen Verletzungsmuster angesagt, die tief hängenden Wolken hätten diesen vermutlich verhindert. Ich denke, dass wir für genau solche Fälle vorbereitet sein müssen. Und dann, im schlechten Wetter, geht so ein Einsatz wirklich an die Substanz.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s