Ablauf einer Liftbergeübung

Nachdem ich nun schon in zwei Artikeln (hier und hier) über Liftbergeübungen berichtet habe, werde ich nun mal den technischen Ablauf einer Bergung erläutern.

Das Liftbergeset, wie es bei der Bergrettung Tirol verwendet wird, wird schon fix fertig montiert geliefert. Die Lifte haben oftmals eigene Geräte, die vom Stand der Bergrettung abweichen können. Das Prinzip ist allerdings bei allen Systemen gleich. Unser Bergesystem ist von Petzl, die neueste Version findet ihr hier.

Im Wesentlichen schaut die Bergung so aus: Der Retter ersteigt die Liftstütze gesichert (zumindest sollte er das; bei schönem Wetter ist das sicher nicht so tragisch, im Winter allerdings notwendig). Entweder nutzt er dazu zwei große Karabiner, die abwechselnd in die Leiter eingehängt werden, oder es kommt ein selbstblockierendes Gerät zum Einsatz, das in ein Stahlseil an der Liftstütze eingehängt wird. Bei unserem System zieht der Retter ein Sicherungsseil mit, dabei hat der am Boden befindliche Bergretter das Seil in sein Sicherungsgerät bereits eingelegt.

Oben an der Stütze wird das Sicherungsseil über den sogenannten Galgen gelegt. Außerdem wird auf einen möglichst schönen Seilverlauf geachtet, da das Seil ja auch wieder abgezogen werden muss. Der Retter klettert bis zum talwärts laufenden Tragseil. Dort angekommen, legt er eine Rolle (oder Doppelrolle) über das Tragseil und hängt dort den großen Karabiner der Selbstseilrolle ein. Der zweite große Karabiner mit der kurzen Selbseilrolle wird hinter das Gehänge (also bergseitig) eingehängt. Dieser Karabiner dient als redundante Sicherung.

Der sich am Boden befindliche Retter übernimmt nun die Sicherung des Retters auf der Stütze. Seine Aufgabe ist es jetzt, den Retter bei seiner Abwärtsfahrt zu bremsen. Der Retter klettert nun über das Gerüst und hängt sich in das Gehänge. Nun geht es bergab, der nächste Stopp ist der Sessel/die Gondel.

Am Sessel wird eine breite Bandschlinge ein paar Mal um das Tragseil gewickelt und mit einem Ankerstich befestigt. In die entstehende Schlaufe wird nun ein weiterer großer Karabiner gehängt. An diesem Karabiner ist eine Seilbremse befestigt, durch das das Sicherungsseil, durch das der Retter abgelassen wurde, läuft. Dieses Seil dient in weiterer Folge dazu, die zu bergenden Personen abzuseilen. Anschließend zieht der Retter das Seil soweit über die Stütze, dass die Bodenmannschaft das Seil vollständig abziehen kann.

Der Retter seilt sich nun an der langen Selbstseilrolle bis zum Sessel ab. Auf dem Weg dorthin kann es sein, dass erst die Verriegelungen des Sicherungsbügels und der Bubble geöffnet werden müssen. Das ist ein kritischer Moment, denn ab diesem Zeitpunkt sind die Passagiere nicht mehr gesichert. (Das hängt wiederum vom Lift ab. Neue Lifte verzichten oft auf diese Verriegelung.)

Das Abseilen der Personen wird so vorbereitet, dass ein sogenanntes Petzl-Tuch um die Person gelegt und mit einem Karabiner am Sicherungsseil befestigt wird. In der Zwischenzeit sichert die Bodenmannschaft dieses Seil. Auf Kommando öffnet der Retter den Sicherungsbügel und zieht den Passagier aus dem Sessel. Die Bodenmannschaft seilt diesen dann ab. In der Zwischenzeit schließt der Retter den Sicherungsbügel wieder und bereitet die nächste Person auf das Abseilen vor.

Nach dem Evakuieren des Sessels steigt der Retter an der Selbstseilrolle wieder bis zum Tragseil auf und baut die Abseilvorrichtung ab. Dann werden das Gehänge und die kurze Selbstseilrolle auf die Talseite umgehängt und weiter geht’s bis zum nächsten Sessel. Ist der letzte Sessel (z.B. vor der nächsten Stütze) erreicht, legt der Retter über den Sessel (bzw. einen geeigneten Teil des Sessels) und wird zum Boden abgeseilt. Dann geht’s weiter auf die nächste Stütze.

Das Verfahren ist recht einfach und kann ganz leicht auch behelfsmäßig durchgeführt werden. Dann wird nur die Vorbereitungszeit etwas länger.

Neuere Systeme erlauben dem Retter, die Bergung ohne eine Bodenmannschaft vorzunehmen. In diesem Fall wird ein selbstbremsendes Gehänge, an dem der Retter hängt, genutzt.

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